Organisatorisch ist mein Promotionsvorhaben am Institut für Klassische Philologie der Universität des Saarlandes angesiedelt, mein Doktorvater ist Prof. Dr. Christoph Kugelmeier. Inhaltlich befasst sich das Projekt mit einer lateinischen Sammelhandschrift des 15. Jahrhunderts, die in der Bibliotheca Bipontina (Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz) aufbewahrt wird.
Das Projekt lebt demnach von der Kooperation mit der Zweibrücker Bibliothek und von der Integration der verschiedenen Methoden und Themen (Bibliotheks- und Bestandsgeschichte, Handschriftenpraxis und -katalogisierung bzw. Handschriftenerschließung, Editionsphilologie).
Das Methodengerüst meiner Arbeit besteht also aus mehr oder weniger klassischen Elementen der Philologie (Edieren, Kommentieren, Übersetzen, inkl. digitaler und ferner New Philology) einerseits und bibliotheks- bzw. buch, real- und kulturhistorischen Fragestellungen (Handschriftenkunde, Inkunabel- und Frühdruckforschung, Kodikologie, Überlieferungsgeschichte etc.) andererseits.
Dazu kommt noch die Bibliotheks- und Informationswissenschaft, die bspw. in Sachen Datenmanagement (FAIR Data, Auffindbarkeit etc.) sowie Informations- und Publikationskompetenz wichtige Impulse für meine Arbeit als Doktorand liefert. Spätestens am Ende der Promotion werden so Fragen wie diejenigen nach dem Publikationsmodus (Open Access), der Archivierung und Bereitstellung der Arbeits- und Ergebnisdaten (Forschungsdaten, Digitalisate und Metadaten) sowie der (digitalen) Sichtbarkeit in einer (zunehmend digitalen) Publikationlandschaft zu stellen und zu beantworten sein.
Konkret umfasst meine Arbeit die bibliographisch-wissenschaftlichen (Neu-)Erschließung der in Zweibrücken beheimateten Sammelhandschrift (Bibliotheksheimat) sowie die kritisch-zweisprachige Edition eines markanten Faszikels, das in den Kodex eingebunden ist. In die Abhandlung miteinbezogen sind ferner Fragen nach der Herkunft (Schriftheimat), Geschichte und Zusammenstellung der Handschrift bzw. ihrer einzelnen Partien.
Zur Anwendung kommt eine spezialisierte Editionssoftware, in die ich die (zuvor in an die TEI angelehnte XML-Dokumente ausgezeichneten) Textzeugen-Transkripte einarbeite. Aus den kollationierten Parallelüberlieferungen speist sich die Constitutio textus, auf dem edierten Text fußt ferner die Übersetzung und inhaltliche Kommentierung/Erschließung des Textes bzw. der verschiedenen, im Faszikel enthaltenen Texte. Im Rahmen der Fragen zur Schriftheimat erstelle ich zudem ein tabellarisches, an den DFG-Richtlinien zur Handschriftenkatalogisierung orientiertes Katalogisat, das ich in einem Kapitel des Hauptteils ausführlicher erläutere.
Über die Textüberlieferung (Zweibrücker Sammelhandschrift, Parallelüberlieferung in Form von Handschriften, Inkunabeln und späteren Drucken) hinaus beziehe ich zudem vielfältiges historisches Material in die Ausarbeitung mit ein. Neben zeitgenössischen und geschichtswissenschaftlichen Abhandlungen zur Region (ehem. Herzogtum Zweibrücken und angrenzende Territorien) gilt es etwa, Archivalien, Find- und Kirchenbücher zu sichten, um der Geschichte des in Zweibrücken überlieferten Kodex auf die Spur zu kommen.